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Fabian De Sanctis
Fabian De Sanctis

MARKTUPDATE · KW 19 · Mai 2026

Liquiditätsjagd

Jede Woche analysiere ich die wichtigsten On-Chain Daten, Makro-Signale und Marktstrukturen, damit du weißt, was wirklich passiert.

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Open Interest explodiert

Der Bitcoin Open Interest hat diese Woche den grössten Anstieg des gesamten Jahres 2026 verzeichnet, und ich meine wirklich des ganzen Jahres. Sogar grösser als beim letzten All-Time-High. Falls du nicht weisst was Open Interest bedeutet: es misst wie viel Kapital gerade in offenen Futures-Positionen steckt, also in gehebelten Wetten auf den Bitcoin-Preis. Binance macht dabei mit 34% Marktanteil und 2.5 Milliarden Dollar monatlichem Durchschnitt den grössten Teil aus, Gateio kommt auf 1.75 Milliarden, Bybit auf 1.15 Milliarden.

 

Jetzt kommt der Teil der mich beschäftigt. Die Funding Rates, also die Gebühren die Long-Trader zahlen wenn mehr Leute auf steigende Preise setzen als auf fallende, sind seit Wochen negativ. Das bedeutet: es wird massiv Kapital in Positionen aufgebaut, aber die Stimmung dahinter ist alles andere als euphorisch. Eigentlich müssten Funding Rates steigen wenn alle bullish sind. Sie tun es nicht. Das heisst viele bauen Positionen auf ohne wirklich überzeugt zu sein, oder sie hedgen sich gleichzeitig ab.

 

Ich sage dir das weil du das in deiner eigenen Risikoabwägung einrechnen solltest. Mit einem derart aufgeblähten Open Interest ohne klare Stimmung reicht eine schnelle Preisbewegung nach unten um Liquidierungen kaskadenartig auszulösen. Eine Liquidierung drückt den Preis tiefer, die nächste folgt, und plötzlich fühlt sich ein normaler Rücksetzer wie ein Crash an. Wenn du gerade mit Hebel unterwegs bist, mach dir das bewusst.

Short Term Holder entscheiden

Bitcoin sitzt gerade genau auf dem durchschnittlichen Einstandspreis aller Leute, die in den letzten fünf Monaten gekauft haben. Dieser Preis liegt bei rund 81’300 Dollar. Und der MVRV dieser Gruppe, also der Indikator der zeigt ob sie im Gewinn oder im Verlust sitzen, liegt nahe 1.0. Bei 1.0 sitzen sie auf Break-even. Kein Gewinn, kein Verlust.

 

Ich frage dich direkt: wie würdest du dich fühlen wenn du Bitcoin gekauft hast, dann einen langen Drawdown erlebt hast, und jetzt gerade wieder auf null bist? Genau so fühlen sich gerade Hunderttausende von Menschen. Und genau hier liegt die Entscheidung: entweder glauben sie an die weitere Erholung und halten, oder sie verkaufen um nicht nochmal in die Verlustzone zu fallen. In schwachen Marktphasen hat dieses Level die letzten Jahre regelmässig als Widerstand funktioniert, weil genau dort die Nerven flattern.

 

Bitcoin muss dieses Level schnell und überzeugend nach oben verlassen. Je länger der Markt hier herumklebt, desto mehr Verkaufsdruck entsteht von Leuten die einfach froh sind wieder raus zu sein. Wenn du selbst zu diesen Short Term Holdern gehörst und gerade zitterst, dann weisst du jetzt warum du das tust. Die Psychologie des Break-even ist real.

OTC Reserven fast leer

Die Bitcoin Reserven auf OTC Desks sind auf ein historisches Allzeittief gefallen: noch 142’000 BTC verfügbar. Im September 2021 waren es rund 550’000 BTC. Fast 75% weniger in unter fünf Jahren. Und ehrlich gesagt wird das von den wenigsten kommentiert, weil alle auf die Exchange Reserves starren. Das halte ich für einen Fehler.

 

OTC Desks sind Handelskanäle für grosse Akteure wie Fonds, Institutionen und Unternehmen. Der Grund warum diese Leute OTC kaufen und nicht einfach auf Binance: ein grosser Kauf auf einer Exchange bewegt den Preis sofort. OTC ermöglicht stille Akkumulation, ohne dass der Rest des Marktes es mitbekommt. Genau das haben Institutionen jahrelang gemacht, und die Reserven sind trotz regelmässiger Nachfüllung fast leer, weil die Nachfrage die Auffüllung konstant übertrifft.

 

Was passiert wenn OTC austrocknet? Diese Käufer können nicht aufhören zu kaufen, sie wechseln auf offene Exchanges. Ihre Kauforder landen dann direkt auf dem Spotmarkt, sichtbar für jeden, mit direktem Effekt auf den Preis. Genau das ist der Datenpunkt der mich diese Woche am meisten beschäftigt.

Hashrate unter Durchschnitt

Die Bitcoin Hashrate ist unter ihren Jahresdurchschnitt gefallen und liegt aktuell unter 1 ZH/s. Das letzte Mal war das der Fall während des chinesischen Mining-Verbots 2021, als ein Grossteil der globalen Mining-Kapazität von einem Tag auf den anderen abgeschaltet wurde. Miner wie Bitfarms restrukturieren ihre Betriebe gerade weil die Margen nicht stimmen. Hohe Energiekosten, unsicherer Preis, harter Wettbewerb.

 

Hier kurz erklärt was das für das Netzwerk bedeutet: Bitcoin ist so gebaut, dass alle 10 Minuten ein Block gefunden wird. Wenn weniger Miner aktiv sind und die Rechenleistung fällt, dauert es länger bis ein Block gefunden wird. Das Protokoll erkennt das und passt alle 2016 Blöcke die Schwierigkeit automatisch nach unten an. Das Netzwerk korrigiert sich selbst, es braucht nur etwas Zeit dafür.

 

Was mich dabei mehr interessiert als die technische Seite: Miner müssen Bitcoin verkaufen um ihre laufenden Kosten zu decken. Strom, Infrastruktur, Personal. Wenn schwächere Miner das Feld verlassen, fällt dieser konstante Verkaufsdruck weg. Langfristig ist das gut. Kurzfristig zeigt es, dass der aktuelle Preis für viele Mining-Betriebe noch nicht komfortabel ist.

Die Fed kauft still

Die Federal Reserve hat seit Dezember für 237 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Gesamtbestände jetzt bei 4.4 Billionen Dollar, dem höchsten Stand seit Juli 2024. Staatsanleihen machen 65.9% der gesamten Fed-Bilanzsumme aus, der höchste Anteil seit März 2008. Die Gesamtbilanz liegt bei 6.7 Billionen Dollar.

 

Ich bin direkt: das ist Quantitative Easing, auch wenn die Fed es nicht so nennt. QE bedeutet die Notenbank kauft Anleihen um Liquidität ins System zu pumpen. Genau das passiert gerade. Die Fed stützt den Treasury-Markt, kauft amerikanische Staatsschulden auf und hält die Zinsen damit unten. Der einzige Unterschied zu 2020 ist das Tempo und das Label das sie draufkleben.

 

Ich beobachte die Fed-Bilanz nicht weil mich Staatsanleihen faszinieren. Ich beobachte sie weil frische Liquidität eine Heimat sucht, und historisch landet sie in Risikoanlagen. Aktien, Krypto, alles was Rendite verspricht. Das ist der Zusammenhang der uns direkt betrifft.

Anleihenmarkt unter Druck

Der 10-jährige US-Staatsanleihe-Yield übersteigt die Gewinnrendite des S&P 500 aktuell um rund 90 Basispunkte. Die zweitgrösste negative Spreizung der letzten 24 Jahre. Übersetzt: eine relativ sichere Staatsanleihe wirft mehr ab als der Aktienmarkt. Wer Aktien hält, trägt mehr Risiko und bekommt dafür weniger Rendite als jemand der einfach in Staatsanleihen sitzt.

 

Historisch war dieser Zustand immer mit überhitzten Bewertungen verbunden. Kapital fliesst in Aktien ohne dass die Risikoprämie dafür stimmt, weil FOMO stärker ist als die Renditemathe. Die Equity Risk Premium, also der Aufschlag den Aktien gegenüber Bonds bieten sollten, ist seit Mitte 2024 negativ. Das bedeutet Investoren zahlen gerade einen Aufpreis dafür, mehr Risiko einzugehen.

 

Dieser Zustand korrigiert sich irgendwann. Entweder Aktien fallen und machen Staatsanleihen relativ günstiger, oder die Fed senkt die Zinsen und Anleiherenditen sinken. Rate Cuts wären für Bitcoin und Krypto historisch positiv. Wann das kommt, weiss ich nicht. Aber die Spannung im Bond-Markt ist aufgebaut und sie wächst.

Institutionen kaufen aggressiv

Letzte Woche flossen 8.7 Milliarden Dollar netto in US-Aktien, erster Nettokauf in drei Wochen. ETFs allein absorbierten 6.8 Milliarden Dollar, der höchste ETF-Zufluss seit 2017. Institutionelle Investoren stehen für 6.9 Milliarden davon, Hedge Funds für 1.2 Milliarden, Retail für 602 Millionen. Die Grossen kaufen gerade, nicht die Kleinen.

 

Was mich dabei interessiert: das passiert genau in dem Moment in dem das Konsumvertrauen der normalen Bevölkerung auf einem Allzeittief ist. Institutionen kaufen nicht weil es sich gut anfühlt. Sie kaufen weil ihre Modelle ihnen sagen dass die Bewertungen stimmen oder unterschätzt sind. Sie haben längere Zeithorizonte, bessere Daten, und genug Kapital um in Schwächen zu kaufen ohne panisch zu werden.

 

Ich kopiere nicht blind was Institutionen tun, weil du und ich andere Zeithorizonte haben. Aber wenn das Smart Money kauft während Consumer Sentiment auf Allzeittief ist, dann ist das kein Moment in dem ich aktiv reduziere.

NFP schlägt Erwartungen

Die US-Wirtschaft hat im April 115’000 neue Stellen geschaffen. Erwartet wurden 65’000. Fast doppelt. In zwei Monaten insgesamt 300’000 neue Stellen, bei einer Arbeitslosenquote von 4.3%. Und das trotz laufendem Iran-Krieg.

 

Der Non-Farm Payrolls Report, also der NFP, ist der wichtigste monatliche Jobmarkt-Indikator der USA. Die Fed orientiert sich stark daran weil ein gesunder Jobmarkt ihr weniger Druck macht, die Zinsen schnell zu senken. Starke Job-Zahlen bedeuten in diesem Kontext: die Fed hat Zeit und Spielraum zu warten. Rate Cuts rücken weiter in die Zukunft.

 

Das ist gut für die Wirtschaft insgesamt. Für uns als Krypto-Investoren ist es aber kein direkter Katalysator. Eher das Gegenteil: je stärker der Jobmarkt, desto länger wartet die Fed. Und je länger die Fed wartet, desto länger bleibt der Druck auf Liquidität bestehen. Ich lese starke NFP-Zahlen daher immer mit etwas gemischten Gefühlen.

Globale ETF Inflows auf Rekord

In den letzten sechs Monaten flossen 210 Milliarden Dollar in globale Aktienfonds. Die stärkste sechs-Monats-Periode in der Geschichte dieser Datenreihe. Rund 10% der gesamten verwalteten Vermögen dieser Fonds. Im Jahresvergleich haben sich die Inflows vervierfacht und übertreffen den Meme-Stock-Hype von 2021 um 100%. Emerging Markets ETFs haben allein dieses Jahr 35 Milliarden Dollar angezogen.

 

Was mich dabei überrascht hat: der südkoreanische ETF EWY macht 10 bis 14% des gesamten Handelsvolumens aller 688 globalen Aktien-ETFs aus. Ein Anteil der sich seit Jahresbeginn verdreifacht hat. Südkorea war lange kein Thema. Plötzlich ist es eines der meistgehandelten Vehikel auf dem globalen Aktienmarkt. Das zeigt wie gezielt und aggressiv Kapital gerade umgeleitet wird.

 

Dieses Kapital kommt aus irgendwo. Es kommt aus Cash, aus Geldmarktfonds, aus Anleihen. Das sind Gelder die lange am Seitenrand gestanden haben und jetzt in Risikoanlagen umgeschichtet werden. Die grosse Frage für mich: wann diffundiert ein Teil davon in Bitcoin und Krypto? Ich glaube der Zeitpunkt kommt, er kommt nur selten mit einer Ankündigung.

Consumer Sentiment am Boden

Der University of Michigan Consumer Sentiment Index liegt bei 48.2 Punkten, einem Allzeittief. Im Mai um weitere 1.7 Punkte gefallen. Die wahrgenommene aktuelle finanzielle Lage bei 47.8 Punkten, ebenfalls Rekordtief. Während der Finanzkrise 2008 lag dieser Index bei rund 55 Punkten. Wir liegen 13% darunter. In der Rezession der 1980er Jahre war der Boden bei rund 52 Punkten. Auch das haben wir unterschritten.

 

Das sagt mir folgendes: die Märkte erholen sich, Institutionen kaufen auf Rekordniveau, und trotzdem fühlen sich die Menschen in der Breite schlechter als in der schlimmsten Phase der Finanzkrise 2008. Das ist ein gewaltiger Widerspruch. Und er zeigt dass die Erholung bisher fast ausschliesslich von institutionellem Kapital getragen wird. Die breite Masse ist noch nicht dabei.

 

Das ist eigentlich das Bullishste was ich dir heute schreiben kann. Wenn Consumer Sentiment dreht und die breite Bevölkerung anfängt wieder Vertrauen in ihre finanzielle Lage zu haben, kommt eine weitere Nachfragewelle. Nicht von Institutionen, sondern von Millionen von Privatpersonen. Wir sind noch weit davon entfernt. Aber genau das macht den Zeitpunkt jetzt interessant.

Wenn dich interessiert wie man On-Chain Daten wirklich liest und versteht, also nicht nur Charts anschaut sondern versteht was Wale bewegen, wo Liquidität sitzt und was der Markt wirklich gerade macht, dann hab ich genau das für dich aufgebaut.

 

Meine On-Chain Masterclass bringt dir das von Grund auf bei, strukturiert und direkt anwendbar.

 

Gleiches gilt für die Makroökonomie: wenn du verstehen willst warum Fed-Entscheidungen, der Dollar, Anleiherenditen und globale Liquidität direkt beeinflussen was Bitcoin macht, dann ist meine Makroökonomie Masterclass dein Einstieg. Zwei Plattformen, ein Ziel. Du lernst die Märkte wirklich zu lesen.

Mein Bitcoin Ausblick

Bitcoin hat in den letzten zwei Wochen eigentlich alles gemacht ausser das was sich die meisten erhofft haben. Ende April der Anstieg von rund 75’000 auf 78’000, dann nochmal Gas gegeben bis auf 82’400 Anfang Mai. Auf dem ersten Blick sah das gut aus. Starker Move, klare Richtung, Momentum schien da zu sein.

 

Dann kam der 6. Mai. Bitcoin hat die 82’400 nochmal angelaufen, zum zweiten Mal. Und ist zum zweiten Mal dort abgeprallt. Zwei Versuche, zwei Ablehnungen am selben Level. Das ist kein Zufall, da sitzen Verkäufer. Danach der Rücksetzer auf rund 79’000, was sich für viele nach mehr angefühlt hat als es war, weil der Anstieg davor so schnell ging.

 

Jetzt stehen wir bei 80’955 und der Chart sieht ehrlich gesagt zäh aus. Kein klarer Trend, kleine grüne und rote Kerzen die sich abwechseln, kein Volumen das eine Richtung signalisiert. Bitcoin schiebt sich langsam wieder Richtung 81’000 hoch, aber solange die 82’400 nicht geknackt werden, ist das für mich kein Ausbruch sondern Konsolidierung. Der Markt entscheidet sich gerade, und noch hat er sich nicht entschieden.

Wie ich letzte Woche geschrieben habe, wurde die 79’000 nochmals angelaufen. Passiert. Genau dort konnte ich meine Shorts zügig schliessen, das Level hat geliefert was ich erwartet habe. Das ist kein Glück, das ist Liquidität. Und genau darum geht es gerade in diesem Markt.

 

Was ich mit Liquidität meine: unter dem aktuellen Preis liegen Bereiche wo viele Leute Stop-Loss Orders platziert haben, also Verkaufsorder die automatisch auslösen wenn ein bestimmter Preis erreicht wird. Market Maker und grosse Spieler wissen das. Sie bewegen den Preis genau dorthin, kassieren diese Orders ab, und drehen dann wieder. Das ist kein Verschwörungstheorie-Gerede, das ist wie Märkte funktionieren. Und zurzeit ist Bitcoin genau in diesem Spiel gefangen. Kein klarer Trend, kein echter Ausbruch. Nur Liquiditätsjagd von einer Zone zur nächsten.

 

Was mich dabei beschäftigt: unter uns hat es noch genügend Liquidität. Die 77’000 sticht da klar heraus. Dort sitzen Stops, dort sitzen Orders, dort wartet Kapital darauf abgeholt zu werden. Und ich sage es direkt: ich glaube wir sehen bald wieder eine 7 als erste Ziffer beim Bitcoin-Preis. Ich bin nach wie vor bearish eingestellt und halte daran fest. Mein DCA läuft aktuell ausschliesslich unter der 80’000, und je tiefer wir fallen, desto mehr kaufe ich. Nicht weil ich Angst habe etwas zu verpassen, sondern weil tiefere Preise für mich bessere Einstiegspunkte bedeuten und ich den Move nach unten für wahrscheinlicher halte als einen nachhaltigen Ausbruch nach oben im Moment.

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