Jede Woche analysiere ich die wichtigsten On-Chain Daten, Makro-Signale und Marktstrukturen, damit du weißt, was wirklich passiert.
Mittwoch hat die Fed zum zweiten Mal in Folge die Zinsen nicht angerührt. Die Entscheidung fiel 11 zu 1, nur Governor Miran hat für einen Cut gestimmt. Powell hat in seinem Statement klar gemacht dass die Inflation „somewhat elevated“ bleibt und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran Konflikts „uncertain“ seien. Übersetzt heisst das: Wir wissen nicht was kommt, also machen wir nichts.
Was mich dabei wirklich beschäftigt ist der neue Dot Plot. Die Fed sieht nur noch einen Rate Cut in 2026 und einen weiteren in 2027. Die PCE Inflationsprognose für 2026 wurde auf 2.7% nach oben korrigiert. Erinnert ihr euch noch an Anfang Jahr, als der Markt sechs Cuts eingepreist hat? Das fühlt sich an wie ein anderes Universum. Die Realität hat den Markt eingeholt, und sie sieht deutlich weniger freundlich aus als erhofft.
Ich sage es wie es ist: Ich glaube Dezember war Powells letzter Cut. Die steigende Energie, der Iran Konflikt, die hartnäckige Kerninflation, das sind keine Bedingungen unter denen eine Zentralbank lockert. Die Fed sitzt in der Falle. Sie kann nicht senken ohne die Inflation weiter anzuheizen, und sie kann nicht erhöhen ohne die ohnehin fragile Wirtschaft abzuwürgen. Diese Pattsituation wird uns noch eine Weile begleiten.
Und als ob Powells Statement nicht deutlich genug war, haben die Märkte in der gleichen Woche ihre eigene Antwort gegeben. Die 12 Monats Inflationserwartungen sind auf 5.2% geschossen, der höchste Stand seit März 2023. In nur drei Wochen sind wir von eingepreisten Rate Cuts zu eingepreisten Rate Hikes gewechselt. Drei Wochen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Der Chart des USGGBE01 Index sieht aus wie eine Wand. Seit Dezember, als die Erwartungen noch bei rund 2.2% lagen, ist das Ding fast senkrecht nach oben gegangen. Das ist kein gradueller Anstieg, das ist ein Regime Change im Kopf der Marktteilnehmer. Die Narrative hat komplett gedreht: von „Inflation ist besiegt“ zu „Inflation kommt zurück“. Und wenn sich diese Erwartungen erst mal verfestigen, werden sie zur selbsterfüllenden Prophezeiung, weil Unternehmen Preise anheben und Konsumenten vorziehen.
Steigende Energiepreise durch den Iran Konflikt, eine Fed die nicht handeln kann, und eine Fiskalpolitik die aus allen Nähten platzt. Das ist der perfekte Cocktail für persistente Inflation. Und genau das ist der Makro Hintergrund vor dem wir gerade traden. Wer das ignoriert, wird vom Markt bestraft.
Wenn ihr nur einen Indikator diese Woche im Auge behalten solltet, dann ist es der MOVE Index. Er ist für den Anleihenmarkt das was der VIX für Aktien ist: Er misst wie nervös die grössten Marktteilnehmer der Welt gerade sind. Er steht bei 108.84, ein Anstieg von über 28% innerhalb von 24 Stunden. Das ist der höchste Stand seit der regionalen Bankenkrise 2023. Lest den Satz nochmal.
Der Anleihenmarkt hat immer recht. Die 10 jährige Treasury Rendite ist auf 4.39% gestiegen, die 30 jährige steht bei knapp 4.96%, und die 2 jährige ist auf 3.90% geschossen. Was das heisst: Der Markt glaubt nicht mehr daran dass die Fed dieses Jahr senkt. Investoren verlangen mehr Kompensation dafür, dem US Staat Geld zu leihen. Und wenn man sich den 39 Billionen Schuldenberg anschaut, kann ich es ihnen ehrlich gesagt nicht verübeln.
Gleichzeitig ist der VIX am Freitag auf 26.78 gesprungen, über 11% Plus an einem Tag. Der S&P hat 1.5% verloren, der Nasdaq über 2%. MOVE auf Bankenkrise Niveau, VIX spikt, Renditen steigen während Aktien fallen. Wenn Anleihen und Aktien gleichzeitig fallen, ist das kein normaler Risk Off. Das ist ein Vertrauensverlust.
Genau solche Zusammenhänge zu erkennen bevor der Preis sie zeigt, das ist der Grund warum ich die Makroökonomie-Masterclass gebaut habe. Wenn du den Markt nicht länger erraten willst sondern verstehen möchtest warum er sich bewegt, dann [schau dir die Masterclass an].
Passend dazu hat die US Staatsverschuldung letzte Woche zum ersten Mal die 39 Billionen Dollar Marke geknackt. Allein in den letzten acht Monaten sind 2 Billionen dazugekommen. Seit die Schuldenobergrenze im Juli aufgehoben wurde, hat die Regierung 2.8 Billionen neues Geld aufgenommen. Die Debt to GDP Ratio liegt jetzt bei 124%.
Was diese Zahl wirklich bedeutet: Die US Schulden haben sich seit 2018 fast verdoppelt. Von rund 21 auf 39 Billionen in acht Jahren. Und laut CBO Schätzungen kommen in den nächsten zehn Jahren nochmal 2.4 Billionen pro Jahr oben drauf, bis wir 2036 bei 64 Billionen landen. Das ist keine Prognose von Crash Propheten, das sind die offiziellen Zahlen des Congressional Budget Office.
Warum das für uns wichtig ist: Höhere Schulden bedeuten höhere Zinszahlungen, und die liegen mittlerweile über 1 Billion Dollar pro Jahr. Das Geld muss irgendwo herkommen. Entweder durch mehr Steuern, weniger Ausgaben, oder, und das ist der wahrscheinlichste Weg, durch noch mehr Schulden. Das ist ein Teufelskreis. Und er ist der Grund warum die Inflationserwartungen explodieren. Die Märkte verstehen langsam dass es keinen schmerz freien Ausweg aus dieser Situation gibt.
Jetzt wird es interessant. Während der S&P 500 erst in den letzten Wochen angefangen hat zu korrigieren, ist Bitcoin schon seit Oktober im Bärenmarkt. Ausgelöst durch das Liquidations Event am 10. Oktober, bei dem rund 70’000 BTC an Open Interest in einer einzigen Session ausgelöscht wurden, sechs Monate OI Aufbau, weg in Stunden.
Was wir gerade sehen ist die längste Phase der Entkopplung von Bitcoin und dem S&P 500 seit 2020. Normalerweise laufen die beiden zusammen. Aber seit Oktober geht Bitcoin seinen eigenen Weg nach unten, während Aktien noch monatelang weitergestiegen sind. Der Korrelationskoeffizient hat komplett gedreht. Das bedeutet: Der Kryptomarkt hat den Schmerz schon lange vor den traditionellen Märkten gespürt.
Was mich dabei nachdenklich macht ist die Frage ob sich hier etwas Fundamentales verschiebt. Bitcoin wurde immer als Risk Asset behandelt, also als etwas das in unsicheren Zeiten abverkauft wird. Aber was wenn der Markt langsam anfängt, Bitcoin anders zu betrachten? Die Tatsache dass Bitcoin bereits korrigiert hat während Aktien erst jetzt nachziehen, könnte man auch andersherum lesen: Bitcoin hat die Makro Probleme als Erstes eingepreist und könnte als Erstes wieder drehen.
Die On Chain Daten erzählen eine klare Geschichte: Retail ist weg. Die Nachfrage von Kleinanlegern, gemessen an Transaktionen unter 10’000 Dollar, ist im 30 Tage Durchschnitt um minus 10% gefallen. Das ist der tiefste Stand seit Januar 2025, und der Trend zeigt klar nach unten.
Historisch war das Muster immer dasselbe: Retail strömt rein wenn Bitcoin steigt und flieht wenn Bitcoin fällt. Was diesen Zyklus besonders macht ist dass Retail ohnehin kaum präsent war. Die kurzen Spikes an Aktivität abgesehen war die Beteiligung von Kleinanlegern während des gesamten Bullenmarkts schwach. Ein Grund dafür sind die ETFs, die den Zugang zu Bitcoin über regulierte Produkte massiv vereinfacht haben. Viele die früher On Chain gekauft hätten, kaufen jetzt einfach den ETF.
Aber hier kommt der Punkt: Historisch waren Phasen mit extrem niedriger Retail Beteiligung fast immer Phasen in denen sich Böden geformt haben. Wenn der letzte Kleinanleger verkauft hat und kein Verkaufsdruck mehr da ist, dann fehlt nur noch ein Katalysator für die Umkehr. Wir sind noch nicht da, aber wir bewegen uns in diese Richtung.
Und das letzte Puzzleteil bestätigt das Bild. Die 30 Tage durchschnittlichen Bitcoin Inflows auf Binance sind auf den tiefsten Stand seit 2020 gefallen. Aktuell werden rund 4’900 BTC pro Monat an Binance geschickt, während der historische Durchschnitt zwischen 10’000 und 15’000 BTC liegt. Das ist weniger als die Hälfte von dem was normal wäre.
Was heisst das? Weniger BTC fliessen auf die Börse, also weniger potenzieller Verkaufsdruck. Das deutet darauf hin dass die Leute die noch Bitcoin halten, es behalten wollen. Sie schieben es nicht auf die Exchange um zu verkaufen. Das ist klassisches Medium Term Holding Verhalten, und es passt zu dem Narrativ dass die schwachen Hände bereits raus sind.
Was mich dabei besonders fasziniert: Binance hält aktuell rund 20% aller BTC Reserven auf Exchanges. Und die Schwankungen werden von Zyklus zu Zyklus kleiner, was darauf hindeutet dass Bitcoin tatsächlich weniger liquide und weniger volatil wird über die Zeit. Das klingt widersprüchlich in einem Umfeld wo alles nach Panik schreit. Aber vielleicht ist es genau das: Die Wahrnehmung von Bitcoin als reinem Risk Asset beginnt sich zu verändern. Und die Daten auf Binance sind ein frühes Signal dafür.
Ich weiss was ihr euch denkt. Wie zum Teufel kann Bitcoin sich bei diesen Makro Bedingungen noch da oben halten? Die Fed sitzt fest, die Inflation kommt zurück, die Schulden explodieren, und BTC steht immer noch nicht bei 50’000? Ehrlich gesagt denkt sich das gerade jeder. Und ich sage euch offen: Ich bin bearish, und ich bin auch so positioniert. Nicht weil ich denke dass Bitcoin langfristig tot ist, ganz im Gegenteil. Aber weil der Markt gerade ein Spiel spielt das ich schon oft genug gesehen habe um zu wissen wie es ausgeht. Und es ist kein freundliches.
Was seit Wochen passiert ist pures Liquiditätshunting. Und wenn ihr das letzte Marktupdate gelesen habt, dann ist das keine Überraschung. Ich habe gesagt der Markt spielt auf Liquidität, und genau das tut er. Die 74’500 Dollar wurde geholt. Abgeräumt. Danach hat sich knapp unter 75’900 Dollar erneut Liquidität aufgebaut, also Stop Losses, Limit Orders, gehebelte Positionen die bei einem bestimmten Preis ausgelöst werden. Und genau dort lagen meine Einstiege und gleichzeitig meine Ausstiege aus den Long Positionen. Das war kein Zufall und kein Bauchgefühl. Das war die Liquiditätsmap, nichts anderes.
Jetzt wird es wichtig. Wer sich den 4 Stunden Chart anschaut und das Wyckoff Distribution Pattern kennt, dem wird gerade ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Für alle die Wyckoff nicht kennen: Richard Wyckoff hat vor über 100 Jahren ein Modell entwickelt das beschreibt wie grosse Marktteilnehmer, also Institutionen, Market Maker und Wale, ihre Positionen aufbauen und abbauen. Das Grundprinzip ist simpel: Die grossen Spieler können nicht einfach auf einen Knopf drücken und verkaufen, dafür sind ihre Positionen zu gross. Sie brauchen Gegenparteien, also Leute die kaufen während sie verkaufen. Und wie lockt man Käufer an? Indem man den Preis in einer Range hält, immer wieder Ausbrüche nach oben antäuscht, Hoffnung erzeugt, und dann Stück für Stück seine Positionen in die Nachfrage der Kleinanleger hinein ablädt.
Genau das sehen wir gerade im Chart. Die Aufwärtsbewegungen werden schwächer, das Volumen bei den Rallyes passt nicht zu den Moves, und jedes Mal wenn es so aussieht als würden wir ausbrechen, kommt der Preis wieder zurück in die Range. Das ist klassische Distribution. Gebt „Wyckoff Distribution Schematic“ in Google ein und legt den aktuellen BTC 4 Stunden Chart daneben. Die Ähnlichkeit ist frappierend. Die Upthrusts, die Secondary Tests, die schwächer werdenden Rallyes, alles da.
Kommen wir zu den konkreten Liquiditätszonen, denn da wird es für euer Trading relevant. Bei rund 76’000 Dollar hat sich wieder frische Liquidität aufgebaut. Stop Losses von Shorts, Limit Buy Orders, das übliche Cluster. Aber was wirklich heraussticht ist die Zone bei 64’000 Dollar. Da liegt ein massiver Liquiditätspool der seit Wochen wächst. Wenn der Markt sich entscheidet nach unten zu gehen, dann ist das der Magnet. Dazwischen haben wir gerade sehr viel Liquidität im Bereich 68’000 bis 69’000 Dollar abgeholt, was kurzfristig etwas Druck rausgenommen hat.
Aber, und das ist entscheidend: Wochenendsbewegungen darfst du niemals vertrauen. Die Liquidität ist dünn, die Orderbücher sind ausgedünnt, die grossen Spieler sind nicht aktiv. Was am Samstag und Sonntag passiert wird Montag morgen oft komplett revidiert wenn das institutionelle Volumen zurückkommt.
Ich erwarte morgen einen volatilen Tag. Der Iran USA Konflikt eskaliert gerade enorm, und wer die richtigen Indikatoren im Blick hat, sieht dass die Nervosität steigt.
Achtet auf den MOVE Index, das ist quasi der VIX für Anleihen und zeigt euch die Volatilität im Treasury Markt. Achtet auf den VIX selbst, der die Angst im Aktienmarkt misst. Und achtet auf die Treasuries, denn wenn die Renditen weiter steigen während die Aktienmärkte fallen, dann haben wir ein Problem das über eine normale Korrektur hinausgeht. Das sind die drei Signale die euch sagen werden wohin die Reise geht bevor es der Bitcoin Chart tut.
Wenn ihr mich fragt: Die Wahrscheinlichkeit dass wir die 64’000 Dollar in den nächsten Wochen testen ist deutlich höher als dass wir die 90’000 wiedersehen. Das Wyckoff Pattern, die Liquiditätsstruktur, die Makro Lage, alles deutet in die gleiche Richtung. Ich bin vorbereitet. Und du bist es jetzt auch.
// Eine letzte Sache
Genau daraus ist meine On-Chain Masterclass entstanden.
Wenn du den Markt nicht länger erraten willst, sondern verstehen möchtest, warum er sich bewegt, dann ist diese Masterclass für dich gemacht.
EINMALIGER ZUGANG · KEIN ABO